Foto: Anna Leippe

Aktuelle Nachrichten aus der Landesfilmsammlung

Wie die Seegfrörne ins Fernsehen kam

SeegfroereneEs war ein Jahrhundertereignis, doch das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Der 6. Februar 1963 und die folgenden Wochen ermöglichten den Bodenseeanwohnern das einzige Mal im 20. Jahrhundert die Überquerung des Sees zu Fuß. Der Grund: Die Wasseroberfläche war so zugefroren, dass man auf ihr wandern konnte. Ein Dokumentarfilm von Winfried Lachauer erinnert im Südwest-Fernsehen jetzt an dieses einzigartige Ereignis.

Recherchiert hatte der Filmemacher dazu auch im HAUS DES DOKUMENTARFILMS. Etliche der seltenen Zeitdokumente stammen aus unserem Archiv. Beraten hatte ihn dabei das Team der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg. Erfahren Sie hier mehr über dieses seltene Naturschauspiel und über den gar nicht so seltenen Dienst, den unser Archiv den Filmschaffenden von heute bieten kann.

 

In den letzten 200 Jahren ist der Bodensee nur drei Mal so zugefroren, dass man zu Fuß von der deutschen zur schweizer Seite gelangen konnte. Nachdem die beiden Schneegfrörnen, wie man am deutschen Seeufer zu diesem Naturereignis sagt, des 19. Jahrhunderts nur schriftlich festgehalten wurden, war im Jahre 1963 die große Zeit der Film- und Fotoamateure gekommen. In den vier Wochen der neuen »Eiszeit« am Bodensee nutzten Tausende von Deutschen und Schweizern die Gelegenheit, den jeweiligen Nachbarn einen Besuch abzustatten.

Für die Filmer der 1960er war das natürlich ein ideales Motiv. Sie hielten zum Beispiel fest, wie eine ganze Schule aus der Schweiz statt Algebra zu büffeln, mit Schlitten und einem Auto (!) über den See spazierte. Oder wie als Erste aus Hagnau zwei Gruppen am 6. Februar 1963 die »Erstbegehung« der noch dünnen Eisfläche wagten. Oder wie Tage später von der Schweiz aus Tausende zu einer Eisprozession aufbrachen – sie holten vom deutschen Ufer eine gotische Apostelfigur zurück in die Heimat, die immer nur bei den seltenen Seegfrörnen über den See getragen wird – und dann dort auf die nächste Gelegenheit warten muss, um wieder zurück geholt werden zu können. Beeindruckende Aufnahmen wurden auch aus der Luft geschossen: Der Pilot Franz Thorbecke hatte sich schon im Dezember 1962 die Erlaubnis geholt, mit seiner Maschine auf der Eisdecke landen und starten zu dürfen. Aus der Luft hielt er die seltenen »Trecks« übers Bodensee-Eis fest.

Dass man diese Geschichte nicht nur erzählen, sondern auch – wie es Winfried Lachauer gemacht hat – in einem informativen und unterhaltsamen Landesschau-Film zeigen kann, ist auch der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg im HAUS DES DOKUMENTARFILMS zu verdanken. Die Filme sind in unserem Filmarchiv registriert und wurden parallel zu den Filmarbeiten digitalisiert. Dem Filmautor gelang es, mit den heute noch in Deutschland und in der Schweiz lebenden Amateurfilmern und ihren Familien in Kontakt zu treten. So konnte er die Originalaufnahmen, die als Normal 8, Super 8 und in 16mm vorlagen, mit stimmungsvollen Aufnahmen aus der jetzigen Zeit und Interviews kombinieren.

Schwerpunkt unserer Sammlung sind Imagefilme, Werbefilme, Städteporträts und Privatfilme aus dem ganzen Bundesland. Das älteste Filmwerk des Archivs kann auf 1904 datiert werden. Das Besondere an der Landesfilmsammlung ist die große Anzahl an Amateurfilmen von Anbeginn der Filmzeit bis heute. Hier finden sich alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens. Sie können unsere Filme online recherchieren – und wir sind ständig an weiteren Amateurfilmen interessiert.

(Thomas Schneider)

Artikel aus: DokHausinfo #3, Februar 2013

Artikel als Pdf laden

 

 

Joomla templates www.joomlashine.com